„Salut à la France…“ – und der gallische Hahn kräht dazu, und die Marketenderin ist eine Baronesse, und Stan und Ollie sind auch nicht weit. La Fille du Régiment an der Opéra Nationale de Paris (Bastille)

Dieses Mal lädt die Pariser Oper ihr Publikum nicht ins Opernmuseum ein. Dieses Mal will man ganz hoch hinaus und hat eine Produktion eingekauft, die im Jahre 2007 am Covent Garden herauskam und inzwischen an der Metropolitan Opera und an der Wiener Staatsoper zu sehen war. Mit Natalie  Dessay und Juan Diego Florez hat man die beiden Stars der Aufführungen gleich mit engagiert: Dessay in der Rolle der Regimentstochter  Marie und Florez als  der verliebte Tiroler Bub Tonio, der der Marie zu Liebe zu den Soldaten geht, es ganz schnell zum Leutnant bei den Franzosen bringt und mit militärischer Hilfe auch seine Marie kriegt. Bei solch einer Besetzung und bei solch heldenhaftem Einsatz französischer Truppen, bei solch einem in den großen Häusern herumgereichten Dekor  aus Pappmaché Landkarten aus der Zeit der „Grande Armée“, da kann nichts schief gehen. Und es geht auch nichts schief.… → weiterlesen

Und wieder im Pariser Opernmuseum: Le Nozze di Figaro in der Inszenierung von Giorgio Strehler. Capriccio und Les Contes d’Hoffmann inszeniert von Robert Carsen

Es mag ja sein, dass es Inszenierungen gibt, die so herausragend und so spektakulär sind, dass sie auch noch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben: Inszenierungen wie Wernickes Rosenkavalier, La Clemenza di Tito in der Version der Hermanns oder Bob Wilsons Pelléas et Mélisande. Ob das auch für die angeblich legendären Le Nozze di Figaro des einst so gefeierten Theatermachers Strehler gilt, da habe ich – mit Verlaub gesagt – doch meine Zweifel. Wir sahen jetzt im großen Haus der Bastille Oper die 183. (sic) Aufführung der Inszenierung vom Jahre 1973.… → weiterlesen

Im Pariser Opernmuseum: Hippolyte et Aricie im Palais Garnier. L’Amour des Trois Oranges und Arabella in der Opéra Bastille

Es muss ja nicht immer gleich der Louvre oder das Musée d’Orsay oder das Musée Maillol sein. In Paris kann auch die Oper zum Museum werden, sprich: sind Inszenierungen zu sehen, die als Bildergalerien aus alten Zeiten angelegt und  als Zitate aus der Theatergeschichte und der Inszenierungsgeschichte konzipiert sind. Die Oper als Museum der Oper. Eine solche Konzeption kann wie bei Hippolyte et Aricie zu einer höchst artifiziellen Rekonstruktion einer Rameau Aufführung  im 18. Jahrhundert führen, kann wie bei der Liebe zu den drei Orangen zu einer ironischen Brechung und gezielten Übersteigerung des antirealistischen Märchen- und Metatheaters eines Prokofiev führen oder wie bei der Arabella in einem müden Abklatsch von Repertoire Inszenierungen deutscher Staats- und Stadttheater enden.… → weiterlesen

Nächtliche Vergnügungen mit tödlichem Ausgang auf der Chefetage. Don Giovanni an der Opéra Bastille

Der Mythos lebt nur in seinen Varianten‘ – und seien sie auch noch so banal, seien sie auch noch so billig  aktualisierend. Eine Hypothese, die sich beim Pariser Don Giovanni ein weiteres Mal bestätigt. In der Opéra Bastille nimmt man in dieser Saison die Don Giovanni Inszenierung eines bekannten österreichischen Filmemachers wieder auf, die dieser im Jahre 2006 im Palais Garnier herausgebracht hatte. Eine Variante des Don Juan Mythos, die diesen auf seine oberflächlichsten Komponenten reduziert. Dieser Pariser Don Giovanni hat nichts von einem Rebellen oder gar von einem Atheisten – die metaphysischen Komponenten werden ersatzlos gestrichen. Der Don Giovanni in Paris ist nichts weiter als ein haltloser angeberischer Typ, der sich dank seiner wirtschaftlichen und sexuellen Potenz jede Lust erlauben kann. Monsieur Giovanni ist wohl Vorstand eines großen Unternehmens, und Leporello ist sein Co-Direktor oder Assistent Manager. Zwei gelangweilte junge Männer im Business Dress,… → weiterlesen

Im ‚Atelier des Malers’. Tannhäuser an der Opéra Bastille. Eine Wiederaufnahme der Robert Carsen Inszenierung vom Jahre 2007

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© Juan Luis SotilloIm ‚Atelier des Malers’. Tannhäuser an der Opéra Bastille. Eine Wiederaufnahme der Robert Carsen Inszenierung vom Jahre 2007

Sagen wir es gleich ohne alle Umschweife. Dieser Pariser Tannhäuser ist alle Male eine Reise wert: eine brillante Inszenierung, brillante Sänger und auch ein Orchester, das anders als beim Ring, den wir im vorigen Jahr in der Bastille Oper gehört haben,  dieses Mal wohl den spezifischen Wagner Klang zu treffen weiß. Vielleicht sind die „concupiscenses de la chair“, von denen einstens Baudelaire schwärmte, ein wenig zu verhalten geraten. Wenn dem so war, dann entspricht diese Deutung ganz den Intentionen der Inszenierung, die von Sinnlichkeit und Sündenlust nur wenig wissen wollte und den Tannhäuser als Künstlerdrama verstand. … → weiterlesen

Der Kaiser ist versteinert. Eine Wiederaufnahme von La Clemenza di Tito im Palais Garnier

Der Kaiser ist versteinert. Eine Wiederaufnahme  von La Clemenza di Tito im Palais Garnier

Mit der opera seria tun sich unsere Theatermacher bekanntlich sehr schwer. Wie soll man auch einem heutigen Publikum, das von den Zwängen der Gattung: dem Reigen der Liebesdiskurse, dem Freundschaftsthema, der Kontrolle der Affekte, der Huldigung des aufgeklärten Herrschers, dem obligatorischen lieto fine, kaum noch etwas weiß, eine opera seria verständlich machen. Willy Decker, dessen Clemenza vom Jahre 1997 es  in Paris immerhin auf 33 Aufführungen gebracht hat, macht den Kaiser Titus … → weiterlesen