Welch eine Überraschung. Philipp Stölzl und sein Produktionsteam, die noch vor knapp zwei Jahren in Salzburg Benvenuto Cellini auf eine gigantische Videoclip-Show reduzierten und eine technische Materialschlacht veranstalteten, als wollten sie sich für die Bregenzer Seebühne qualifizieren, sind zu Romantikern geworden, haben romantische Literatur und Malerei für sich entdeckt und nutzen beide als Referenzen für eine zugleich subtile, spannende und unterhaltsame Holländer Inszenierung. Unnötig zu sagen, dass es bei einer Inszenierung, die mit Materialien der Romantik arbeitet, Caspar David Friedrich Zitate in Fülle gibt. Interessanter indes als die zu erwartenden Bildzitate aus romantischer Malerei sind die literarischen Referenzen. Ausgangspunkt ist das berühmte Motiv vom Lektüreschaden, das einstens Flaubert in seiner Madame Bovary für seine Abrechnung mit einer heruntergekommenen, verbrauchten romantischen Literatur nutzte. Im Basler Holländer, wo man Wagners Untertitel „romantische Oper“ im Wortverstande nimmt, wird die Romantik nicht entzaubert. Ganz im Gegenteil. Sie wird als eine der Welt der Imaginationen, der Bücher und der Bilder, ernst genommen und als „Krankheit zum Tode“ gedeutet.