13. 03. 09 Eros und Thanatos für Anfänger. Tannhäuser im Teatro Real in Madrid

Eigentlich ist es mehr als snobistisch, von Zürich nach Madrid zu fliegen, um Wagners „große romantische Oper“ in einem spanischen Musiktheater, in amerikanischer Ausstattung und Inszenierung, mit deutschsprachigen Sängern zu hören und zu sehen. Und die Enttäuschung  ist auch entsprechend. Natürlich darf man in Madrid kein großes Opernspektakel im Stile eines Neuenfels, eines Konwitschny oder eines David Alden erwarten. Aber etwas Besonderes erhoffte man sich doch. Eine trügerische Hoffnung. Die Madrider Verantwortlichen haben sich bei ihrem Tannhäuser für etwas Braves und Konventionelles entschieden und eine Inszenierung aus Los Angeles eingekauft. Regisseur Ian Judge ist immerhin so kühn, die Handlung in die Entstehungszeit der Oper und in großbürgerliche Salons zu verlegen. So sitzt denn zur Ouvertüre der Hausherr, unser Tannhäuser, im weiten roten Schlafrock am Flügel und scheint vergessen zu haben, dass die Damen und Herren eines gewissen Etablissements einen Pornoabend für ihn vorbereitet haben. Allein die  angebotene Erotik-Show ist trotz aller Striptease Bemühungen des Personals so zäh und so langweilig, auch wenn die Leiterin des Etablissements sich in ihr Cocktailkleid geworfen hat, sich dekorativ auf den Flügel legt, Champagner aus der Flasche säuft, den Joint mit dem Hausherrn teilt, dass man auch im Publikum sehr schnell versteht, dass unser braver Sänger und Dichter aus diesem „Reiche fliehen“ will. Wir sind nicht geflohen, obwohl der erste Akt Schlimmes für den Abend befürchten ließ.

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