Gruselshow mit der Blutgräfin. Elizabetta. „Oper von Gabriel Prokofiev mit dem Libretto von David Pountney nach einer Idee von Gabriel Prokofiev“. Eine Uraufführung im Theater Regensburg

Ein Potpourri der Musik in den verschiedensten Stilen. Von der Klassik bis zu Rock, Techno und Rapp – alles ist vertreten. Der Komponist versteht sein Handwerk, will niemandem weh tun und serviert ein Wunschkonzert nach dem Motto „Wie es euch gefällt“. Wie der Sound so das Libretto. Für jeden etwas: Zitate aus Film und Fernsehen, Shows und Werbung, Schauerromantik, Gutmenschentum und Verbrechen. Mit anderen Worten: in Musik, Libretto und Szene ein geschickt angerührter Salat aus unterschiedlichen Zutaten. Grundsubstanz ist der Mythos vom weiblichen Dracula, der „Blutgräfin“, die sich mit dem Blut junger Frauen ewige Jugend verschaffen will. Der Mythos aktualisiert sich in einer alternden Filmdiva, die nicht davon lassen kann, immer wieder junge verführerische Frau zu spielen.

Marcus Lobbes, der für Inszenierung und Bühne verantwortlich zeichnet, setzt die hybride  Story als Theater auf dem Theater in Szene, konkret  als  Parodie gängiger billiger   Fernsehshows. Ganz wie es sich für dieses Genre gehört, unterbricht er die Show immer wieder  mit Werbung. Hier mit Werbung  für Kosmetika und Entwicklungshilfe Projekte in Afrika. Nicht genug damit, Hinzu kommen noch  Live Interviews mit der Diva. Interviews,  in denen die diese  – ganz wie es sich für diese Art von Shows gehört  – Herz- und Schmerz Geschichten aus ihrem Leben erzählt.

Im Finale verlässt die Regie die Fernsehshow, optiert für den Gruselfilm und zitiert aus dem angeblich letzten Film  der Diva, in dem sie die Hauptrolle, die Blutgräfin, spielt und der Schönheitschirurg und Schlepper gar nicht schnell genug junge Frauen als Opfer verschaffen können. Letztes Opfer ist die eigne Tochter – in der Fiktion oder in der ‚Wirklichkeit‘? Die Antwort überlässt die Regie den Zuschauern.

Das Hybride in Musik, Libretto und Szene, dieses Sich-Überlagern von unterschiedlichen Stilen und Genres, von Fiktion und ‚Wirklichkeit‘ ist etwa gewöhnungsbedürftig – mit der Folge, dass so mancher im Publikum nicht immer alles mitbekam. Das war auch nicht nötig, denn spannend und unterhaltsam und ein bisschen gruselig war es alle Male, was uns in Regensburg geboten wurde.

Was mich in diesem kleinen Haus immer wieder überrascht ist das hohe Niveau des Ensembles. Nennen wir stellvertretend für alle Mitwirkenden nur Vera Semieniuk in der Titelrolle – in Stimme,Spiel und Bühnenerscheinung fürwahr eine Diva, ein Star.

Eine höchst gelungene Aufführung im Theater Regensburg. Wir besuchten die Aufführung am 26. April 2019.

 

 

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